Reckingen-Gluringen

Bahnstation Reckingen 1916  
Wappen Reckingen
 
Zur Geschichte vom Ortsteil Reckingen
Reckingen wurde vom germanischen Stamm der Alemannen, die wahrscheinlich im 8./9. Jahrhundert über die Grimsel ins Goms eindrangen, gegründet. Der Name wird abgeleitet vom Wort "Rekko", was soviel bedeutet wie der "Aufrechte, der Recke". Die Endsilbe "-ingen" ist alemannischer Herkunft und bezeichnet die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Familie oder Sippe. Reckingen ist also der Ort, wo der Stamm des "Rekko" wohnte.

Urkundlich erscheint der Name zum ersten Mal 1240. Funde weisen jedoch darauf hin, dass das Gebiet um Reckingen schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. 1838 wurden nämlich östlich des Dorfes "auf den Rossachern" Gräber aus der Hallstattzeit (500 v.Ch.) entdeckt. 1941 sodann wurden nördlich der 1970 durch eine Lawine zerstörten Antoniuskapelle römische Funde (aus der zweiten Hälfte des 1. Jhd.n.Ch.) gemacht. Bis ins 13. Jhd. haben wir keine schriftlichen Hinweis auf Dorf und Bevölkerung. Es werden hier wohl einfache Leute ohne festgefügtes Gemeinwesen gelebt haben.

Auch spätere Zusammenschlüsse waren zunächst eher wirtschaftlicher, denn rechtlicher Natur und das Zusammenleben war kaum durch schriftliche, Satzungen geregelt. Urkundlich erscheinen die Reckinger erstmals 1240 als Geteilen der Aeginenalp bei Ulrichen und der Begriff "Gemeinde" oder zu lateinisch "communitas" begegnet uns 1339. Die ältesten schriftlichen Dorfstatuten oder die sog. Bauernzünfte, die eigentliches Dorfrecht darstellten, stammen aus dem 16. Jahrhundert. Diese Bauernzünfte galten bis tief ins 19. Jhd. und wurden erst danach durch staatliche Erlasse und Gemeindereglemente abgelöst.


Was die Herrschaftsverhältnisse in Reckingen betrifft, standen diese zunächst wohl dem Bischof von Sitten zu. Sie wurden 1570 im Zuge eines allgemeinen Loskaufes der Pfarrei Münster von den Zehntenrechten des Bischofs abgelöst. Daneben übte aber auch die aus dem Novaresischen stammende Familie der Biandrate in Reckingen Herrschaftsrechte aus. Deren Erben, die Familie de Compeys, veräusserten die Rechte 1381 an die Dorfschaft. Das älteste Geschlecht in Reckingen ist dasjenige der Schmidt, welches bereits in einer Urkunde aus dem Jahre 1240 erscheint. Im 16. und 17. Jhd. hatten Vertreter dieser Familie immer wieder das Meieramt im Goms, die sog. Gerichtsbarkeit inne. Im 18. Jhd. waren es Vertreter aus der Familie Taffiner, welche als Meier des Goms auftraten.
Reckingen um 1902


Ursprünglich bildete Reckingen einen der neun Viertel des Zenden Goms und einen der vier Viertel der einstigen Grosspfarrei Münster. Die Pfarreigründung und Loslösung von der Pfarrei Münster erfolgte 1695. Aber erst 1880 geschah der Loskauf der letzten Primizen von der Kirchenfabrik Münster und 1914 die endgültige - auch rechtliche Lösung - von der Mutterpfarrei. Die heutige Pfarrkirche, die der bedeutendste Sakralbau des Spätbarocks im Oberwallis ist, wurde in den Jahren 1743 - 1745 erbaut. Beim Bau wirkten teilweise auch einheimische Handwerker mit.
 
Wappen Gluringen
 
Geschichte vom Ortsteil Gluringen
Furka-Oberalp-Bahn 1915
Gluringen wurde 1203 erstmals urkundlich erwähnt. Seit dem Hochmittelalter gehörte es zusammen mit Blitzingen, Selkingen, Biel und Ritzingen zum Freigericht Biel, der sogenannten Grafschaft. Gluringer Geschlechter besetzten in der Zeit zwischen 1650 und 1780, der Blütezeit des Dorfes, häufig das Amt des Ammanns in der Grafschaft. Damals wurde eine grosse Zahl der Häuser und Stadel gebaut, darunter das mächtige Wohnhaus der führenden Familie im Dorf, das Holtzerhaus von 1681. Auch die Kirche stammt aus der Barockzeit. Sie ist eher klein und spiegelt den Umstand wieder, dass Gluringen - seit 1737 - nur ein Rektorat war; erst 1920 wurde es zur selbständigen Pfarrei erhoben.

Der nachhaltigste Eingriff der letzten zwei Jahrhunderte ins Siedlungsbild war der Bau der neuen Talstrasse, die seit 1861 nicht mehr wie der alte Furkaweg mitten durchs Dorf, sondern unterhalb des Dorfkerns durchführt. Die Siegfriedkarte von 1881 zeigt die Furkastrasse kurz nach ihrer Fertigstellung. Noch deutlich erkennbar ist der Verlauf des alten Talweges auf halber Höhe, vorbei an der Ritzingerfeldkapelle, dem beliebten Wallfahrtsziel der Region. Seit 1915 führt unterhalb des Dorfes die Furka-0beraIpbahn vorbei; sie hat - im Gegensatz zur Strasse - kaum Einfluss auf die Siedlungsentwicklung gehabt.

Ende des Zweiten Weltkriegs richtete die Armee am Ostausgang des Dorfes einen Flabschiessplatz ein, auf dem Talboden erstellte sie als Truppenunterkunft ein Barackendorf. Als 1960 , hundert Jahre nach dem Bau der neuen Strasse, der "Gommerhof" eröffnet wurde, begann sich entlang der Kantonsstrasse eine neue Dorfachse zu entwickeln.

Im Unterschied zu andern Gemeinden der Region hat die Einwohnerzahl von Gluringen im 20. Jahrhundert nicht abgenommen, sondern ist von 113 im Jahre 1900 auf 158 im Jahre 1990 angestiegen. Gut die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung arbeitet im tertiären Sektor, vor allem beim Militär oder im Fremdenverkehr. Das Dorf besitzt mittlerweile drei Hotels und zahlreiche Ferienwohnungen. Seit 1959 funktioniert im Winter ein Skilift. Stark rückläufig ist demgegenüber die Landwirtschaft (Hauptzweige: Roggenanbau und Viehzucht), welche das alte Dorf geprägt hat. Von den 27 Vollerwerbsbetrieben, die um die Jahrhundertwende existiert hatten, sind ganze drei übriggeblieben. Diese haben am Dorfrand neue Ställe erbauen lassen.

Der heutige Ort

Eindrücklichester Teil des Ortsbildes ist die gegen die Furkastrasse gerichtete Front des alten Dorfkerns. Die kleine, aber dominante Kirche mit eigenwilligem Turmabschluss bildet den Blickfang flankiert von einem prächtigen Stadel und einem behäbigen Wohnhaus aus dem Jahr 1787. Silhouettenwirksam ist auch das mehrfach umgebaute Schul- und Gemeindehaus. Die Schaufront des Dorfkerns stellt im Goms eine Rarität dar; sie ist von der Kantonsstrasse her über den inneren Freiraum hinweg gut zu erleben. Das von Obstbäumen durchsetzte Wiesland steigt gegen den alten Siedlungsrand hin an und betont die Lage des Dorfes auf einem Schuttkegel.

Das alte Dorf hat die Form eines sphärischen Dreiecks. Seine Basis entspricht dem historischen, von der Kapelle auf dem Ritzingerfeld her kommenden Talweg. Auffällig ist die lockere Bebauung. Die lose über das Gebiet verteilten Wohnhäuser werden nur durch die bedeutend zahlreicheren Stadel, Gaden und Speicher zu einigen geschlossenen Gebäudegruppen verdichtet. Das numerische Verhältnis der bewohnten Altbauten zu den hölzernen Nutzbauten beträgt 17 zu 57. Dazu kommen zwei öffentliche Kleinbauten, Waschhaus und Backhaus, sowie acht neuere Einfamilienhäuser, welche in den ausgedehnten Baulücken des Dorfgebiets Platz gefunden haben. Die übrigen Zwischenbereiche werden für Wege und Gärten benutzt. Kein anderes Obergommer Dorf bietet zwischen den Häusern ähnlich viel Platz für Pflanzgärten, umzäunte Matten und Obstbäume.

Wappen Reckingen - Gluringen Fusion der ehemaligen Gemeinden Reckingen und Gluringen

Am 08. Februar 2004 haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an einem Urnengang mit einer Zweidrittelmehrheit der Fusion der beiden Gemeinden zur neuen Gemeinde Reckingen-Gluringen zugestimmt. Die neue Gemeinde Reckingen-Gluringen zählt 520 Einwohner im Januar 2005.

Die Exekutive wird im Proporz-Wahlsystem gewählt und besteht aus fünf Gemeinderatsmitgliedern. Am 01. Oktober 2004 ist gemäss Grossratsbeschluss die neue Gemeinde rechtskräftig geworden.

2005-2008: Der neue Gemeinderat der fusionierten Gemeinde Reckingen-Gluringen

Ab dem Jahre 2005 galt es die Fusion der ehemaligen Gemeinde Reckingen und der ehemaligen Gemeinde Gluringen in die neue Gemeinde Reckingen-Gluringen umzusetzen. Mit viel Enthusiasmus und Fingerspitzengefühl wurde die nicht immer leichte Integration der beiden Ortsteilen vorbereiten und durchgeführt.
Eine Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls war zweifellos die Durchführung der 1. Heimattagung vom 01.08.2008 bis 03.08.2008. Der Gemeinderat unter der Führung des Gemeindepräsidenten Rolf Blatter hatte hervorragende Vorarbeit geleistet und unter der Mithilfe von zahllosen Freiwillen, Vereinen und Gruppierungen war dieses Volksfest ein unvergessliches Ereignis in der noch jungen Geschichte der neuen fusionierten Gemeinde.

Der Gemeinderat von 2005 bis 2008:
Der Gemeinderat von 2005 bis 2008
Von links nach rechts: Garbely Hubert (Sicherheitschef), Carlen Daniel (Bauchef), Biderbost Uli (Chef öffentliche Arbeiten), Blatter Rolf l(Gemeindepräsident), Jossen Daniel (Vizepräsident)

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Garbely Hubert (Sicherheitschef) Carlen Daniel (Bauchef) Biderbost Uli (Chef öffentliche Arbeiten) Blatter Rolf l(Gemeindepräsident) Jossen Daniel (Vizepräsident)