Reckingen und die Gotteshäuser
Reckingen gehörte ursprünglich zur Pfarrei Münster, die das ganze Gebiet von der Furka bis Selkingen umfasste. Die Lostrennung der Pfarrei Reckingen geschah unter grossen Schwierigkeiten 1682-1696. Die erste Kapelle in Reckingen, erwähnt 1414, wurde Ende des 15. Jahrhunderts durch ein neues Gotteshaus ersetzt, das 1498 zu Ehren der Gottesmutter Maria und des hl. Theodul geweiht wurde.
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Bei der Pfarreigründung baute man eine neue Kirche, die 1695 vollendet war. Der erste Pfarrer von Reckingen Johann Blatter betreute während 38 Jahren bis 1734 die Pfarrei. Sein Nachfolger wurde Dr. Johann Georg Garin Ritz, Sohn des berühmten Bildhauers Johann Ritz von Selkingen. Dieser kunstsinnige und gelehrte Pfarrer entwarf das Konzept für eine neue Kirche. Zur Ausführung kam sie aber erst unter seinem Nachfolger Christian Blatter. Als Pfarrer von Münster aber beeinflusste Dr. Ritz 1743 bis 1745 den Kirchenneubau in Reckingen entscheidend mit.
Die Baumeister der Kirche sind nicht mehr mit Sicherheit festzustellen; genannt werden der Vorarlberger Johann Bichel (Pickel), der 1703 in Raggal (Bludenz) geboren wurde; Jakob Moosbrugger aus dem Bregenzerwald, der 1750 die Kapelle in Geschinen baute; Johann Peter Ragozi aus Rima im Val Sesia, der 1757 in Reckingen starb.
Pfarrer Blatter schrieb 1743 ins Taufbuch: «In diesem Jahr im Monat Juli begann dank der Freigebigkeit der Reckinger und der Eintracht der Frommen der Bau des Gotteshauses, das die Krone der Gommer- und auch der andern Kirchen werden soll». Die Weihe der Kirche «Maria Geburt» fand 1748 durch Bischof Johann Josef Blatter statt. Im folgenden Jahr richtete eine Lawine an der Kirche grossen Schaden an. Verschiedentlich wurde die Kirche renoviert, zum letzten Mal 1974.
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Das Äussere
Die Kirche steht an der Furkastrasse, die das Oberdorf vorn Unterdorf trennt. Der Kirchenbau mit zwei Fensterreihen und Satteldach wird im Norden flankiert vom Kirchturm, der zwiebelförmig endet. An der Südseite schmiegt sich die Sakristei mit der Aufbahrungskapelle im Untergeschoss an die Kirche an. An das rechteckige Schiff schliesst sich ein etwas schmälerer Chor an, der polygon abschliesst. In einer Nische der hohen Stirnfassade steht eine Madonnenstatue aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die vielleicht von einem der Söhne des Reckingerschnitzlers Peter Lagger stammt.
Die mit Schnitzereien verzierte Nussbaumtür wird durch ein Vorzeichen geschützt. Die Wandmalerei oberhalb der Eingangstür stellt Dorf und Kirche von Reckingen unter dem Schutz Mariens dar.
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Das Innere
Das durch grosse Fenster hellerleuchtete Innere der Kirche beeindruckt durch seine Farbenpracht und die reiche Ausstattung. Das Gipstonnengewölbe ist reich mit Stuckaturen und Gemälden verziert. Die Wände sind durch Pilaster mit vergoldeten Kapitellen zwischen den Fenstern gegliedert. Darüber teilen Kranzgesimse mit Cheruben die Fenster von den Oberlichtern. Im erhöhten Chor schmücken die 2 Seitenaltäre und der Hochaltar die Ostwand des Kircheninnern. Als Gegenstück dazu erscheint an der Westwand über dem Eingang die Empore mit dem reichverzierten Orgelgehäuse.
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Stalenkapelle
Die Hl. Kreuzkapelle auf dem Stalen Eingangs des Blinnentals wurde 1769 am Ort einer ehemaligen Einsiedelei gebaut. In der Nische über der Eingangstür steht die Kopie einer Madonnenstatue von Johann Ritz. Der Gemäldezyklus von Johann Georg Pfefferle beginnt mit der Darstellung der Kaiserin Helena mit dem Kreuz (unter der Orgelempore). Zum Gemälde oberhalb der Empore erzählt die Inschrift rechts und links: «Der römische Kaiser Konstantin sieht vor der Schlacht an der Milvischen Brücke gegen Maxentius ... das Zeichen des Kreuzes am Himmel und hört die Worte: Konstantin, in diesem Zeichen wirst du siegen, Anno 312». Dazu das Gebet: «Christus ist für uns gehorsam geworden bis zum Tod am Kreuze ... Durch das Zeichen des Kreuzes befreie uns, o Gott, von unsern Feinden.»
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Zum 2. Bild am Gewölbe des Schiffs heisst der Kommentar: «Die Kaiserin Helena findet auf Golgatha drei in der Erde vergrabene Kreuze. Bei der Berührung mit dem Kreuze Christi ... wird im Beisein des Bischofs Makarius eine todkranke Frau plötzlich geheilt. Anno 320.» Dazu das Gebet: «Seht das Holz des Kreuzes, woran das Heil der Welt gehangen ... O heiliges Kreuz, sei' mir gegrüsst, woran der Herr für mich gebüsst.» Das Gemälde in Chorgewölbe stellt die Verehrung des aufgefundenen Kreuzes durch Bischof und Kaiser dar.
Die auf Blech gemalte Geisselung Christi auf dem hölzeren Chorgitter führt in das Thema des Hochaltars von Peter Lagger ein, der in chronologischer Reihenfolge von oben nach unten zeigt: Kruzifix auf gemalten Hintergrund mit den Flankenstatuen Maria und Johannes, Gemälde von der Kreuzabnahme und auf dem Antipendium Jesus im Grab. Die Statuen neben den gewundenen Säulen stellen den Guten Hirten und den hl. Wendelin dar. Auf dem gemalten linken Seitenaltar sehen wir Johannes den Täufer und auf dem rechten den hl. Wendelin. In der Bekrönung Maria vom Guten Rat und St. Josef. Zur Ausstattung der Kapelle gehören auch die Kanzel mit dem Bild des Guten Hirten und die Pietà aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts von Johann Baptist Lagger.
Ab Sommer 2000 erklingt die Orgel, welche die letzen 150 Jahre in der von der Lawine zerstörten Antoniuskapelle stand, jedoch für die Stalenkapelle gebaut wurde, wieder an ihrem angestammten Platz. Die Orgel wurde im Frühjar 2000 total saniert und restauriert. Im Sommer und Winter werden naturkundliche und kulturhistorische Führungen zusammen mit einem kleinen Orgelkonzert in der Stalenkapelle angeboten. Auskünfte erteilt der Organist (Tel 027 / 974 12 12)
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Gluringen und die Pfarrkirche
Am 15. Mai 1428 erlaubte Bischof Andreas de Gualdo in Gluringen eine Kapelle zu bauen und gewährte den Wohltätern einen Ablass von 40 Tagen. Nachdem die Kapelle zu Ehren des hl. Theodul gebaut war, bestätigte Bischof Wilhelm von Raron 1443 diesen Ablass und ebenso Bischof Walter Supersaxo 1468." Eine Theodulsstatue aus dieser Zeit ist heute im Historischen Museum in Bern, und das ursprüngliche gotische Flügelaltärchen befindet sich wahrscheinlich im Landesmuseum in Zürich.
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Bei der Visitaz von 1687 empfahl der Bischof, das Chor der Kapelle, die jetzt der Heiligsten Dreifaltigkeit geweiht war, zu erweitern und mit einem neuen Altartisch auszustatten. Wahrscheinlich wurde die Kapelle dann durch einen Anbau verlängert und mit drei neuen Altären versehen." Die neue Kapelle mit einem Dachreiter als Turm ist auf dem Hochaltargemälde abgebildet. In seiner Chronik schrieb Johann Jakob von Riedmatten, Pfarrer von Münster: "Am 24. Januar (1707) habe ich in Gluringen im Auftrag des Bischofs unter den üblichen Zeremonien und Assistenz des Herrn Rektors von Biel (Egid Werlen) die neuerbaute Kapelle eingesegnet.
Im Sommer 1736 schritt man in Gluringen in Hinblick auf die Rektoratsgründung wahrscheinlich zum Bau einer neuen Kirche oder wenigstens deren Umgestaltung oder Vergrösserung. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden an dieser Kirche wieder verschiedenen Veränderungen vorgenommen. Nach einer Notiz vom Pfarrer Lauber soll ein Maler (Johann Georg) Pfefferle aus Geschinen das Gewölbe im Schiff mit Malereien zum Thema Schöpfung ausgeschmückt haben.
Der Hochaltar wurde in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts verändert. Die ehemals gewundenen Säulen wurden durch glatte schwarzmarmorierte Säulen ersetzt. Für die Fassung des Hochaltars erhielt der Maler Franz Guntern 1857 Fr. 305.-.
1870 wurde ein neuer Kirchturm gebaut, und die Glockengiesser Bonifaz Walpen und sein Sohn Viktor aus Reckingen gossen zwei neue Glocken, die zusammen Fr. 1185.79 kosteten. Die kleinste Glocke wurde 1879 von Viktor Walpen gegossen. Diese sprang an Silvester 1976 und wurde durch eine neu aus der Firma Rüetschi in Aarau ersetzt. Diese Glocke wurde am 22. Mai 1977 durch den Herrn Generalvikar Josef Bayard geweiht.
1879 verpflichteten sich die vier Söhne des Orgelbauers Anton Carlen von Gluringen, "den Altar der hl. Katharina, Beschützerin des Walliser Landes, was Licht, Gewand und Zierde laut Bedarf zu übernehmen und zur dienstfälligen Entladung der Kapelle zu besorgen."
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Von weiteren Renovationen und Umbauten berichtet Josef Lauber, der 1909 Rektor von Gluringen wurde: Nach der Katastrophe von Nax VS (1910 stürze dort das Kirchengewölbe ein und erschlug mehrer Personen) bekamen auch die Bewohner von Gluringen Angst, das Steingewölbe der Kirche aus dem 15. Jahrhundert könnte einstürzen. Die Urversammlung vom 19. Juni 1910 beschloss einstimmig die Renovation der Kapelle. Der Architekt Dufour in Sitten erachtete das Chorgewölbe als einsturzgefährdet. Es wurde darum entfernt und 75 cm höher gesetzt. Auch der Chorbogen wurde neu gebaut. Der Hochaltar wurde renoviert und den neuen Verhältnissen angepasst. Drei alte Säulen fand man noch im Estrich des Pfrundhauses. Der Tabernakel, der 1835 von J. Jergen in Münster hergestellt worden war und das Hochaltarbild fast zur Hälfte verdeckte, wurde verändert, so dass das Dreifaltigkeitsbild aus der Bologner-Schule, ein Geschenk von Melchlor Inderbinnen, besser sichtbar wurde. Auch das obere Bild am Altar, das nach den Umbauten des letzten Jahrhunderts wie ein rundes "Heringfass" aussah, wurde durch ein neues Bild (Tod des hl. Josef) ersetzt.
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Auch in den kommenden Jahren wurden an der Pfarrkirche immer wieder Verbesserungen vorgenommen. Das Protokollbuch 62 des Kirchenrates hält fest: 1934/35 neues Schindeldach für die Kirche und Blechdach für den Turm. 1936 neue Kirchenfenster mit Butzenscheiben. 1940 neue Kirchentür, geschnitzt von Emanuel Carlen aus Reckingen. 1941 neuer Holzboden unter den Kirchenbänken. 1956 neuer Tabernakel. 1960 neuer Taufstein von Hans Loretan in Brig. 1965 Kirchenheizung. 1970 Umbau der Empore.
Beim Besuch des Bischofs am 13. Mal 1973 hielt das Visitaz-Protokoll fest: "Die Kirche sollte restauriert werden". Pfarrer Johann Werlen, der am 21. September 1975 neben Reckingen auch die Pfarrei Gluringen übernahm, brachte dieses Anliegen schon bei der ersten Kirchenratssitzung am 24. September zur Sprache. Am 2. Februar beschloss die Urversammlung die Aussenrenovation der Pfarrkirche. Als Pfarrer Werlen Ende August 1977 die Pfarrei verliess, war die Aussenrenovation abgeschlossen. Unter Pfarrer Josef Bühler wurde die Innenrenovation weitergeführt, und die restaurierte Kirche konnte am 6. Oktober 1979 durch Bischof Heinrich Schwery eingeweiht werden. Die Renovation kostete Fr. 450'000.-. 1983 wurden die elektrischen Läutmaschinen installiert und 1992 Schäden an der Kirche ausgebessert.
Der Hochaltar in der Kirche wurde von einem unbekannten Künstler geschaffen. Das Altarbild trägt die Jahrzahl 1 - 711 und die Initialen M.I.D.B. und das Wappen der Inderbinen. Dieses Gemälde soll von Melchlor Inderbinen, der aus dem italienischen Söldnerdienst zurückgekehrt ist, gestiftet worden sein. Das Altargemälde stellt die Heiligste Dreifaltigkeit dar und Maria, wie sie das Kirchlein und das Dorf Gluringen dem dreieinigen Gott empfiehlt. Das Bild im Obergeschoss des Altars, das den Tod
des hl. Josef darstellt, stammt aus dem Jahr 1910.
Die Seitenaltäre entstanden im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts. Der linke Seitenaltar ist nach dem Wappen eine Stiftung von Joseph Anton Biner (1739-1788), der Pfarrer in Münster war. Das ursprüngliche Rosenkranzbild, das anfangs des 20. Jahrhunderts durch ein Bild der hl. Philomena und später durch eine Statue der Muttergottes ersetzt worden war, ziert seit 1968 wieder den Altar. Das Bild in der Oberzone stellt den hl. Aloislus dar. Der rechte Seitenaltar mit den originalen Gemälden der hl. Katharina unten und des hl Antonius von Padua oben hatte das gleiche Schicksal wie sein Pendant. Jahrzehnte lang war auch dieser Altar mit einem Bild vom Tod des hl. Josef oder einer Josefsstatue verziert.
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Zur weiteren Ausstattung der Kirche gehört das Monumentalkruzifix an der linken Schiffswand von einem unbekannten Künstler um 1700. Die Orgel mit sechs Registern aus der ersten Hälfte 19. Jahrhundert stammt von Johann Baptist Carlen (1777-1864). Erwähnenswert sind auch die Monstranz aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts und ein Kelch aus dem Ende des 17. Jahrhunderts mit dem Hagenwappen und den Buchstaben C.H. Diese Initialen geben wohl den Stifter an: Ammann Christian Hagen (gest. 1670) oder sein gleichnamiger Sohn (gest. 1701). Im Pfarrhaus wird noch eine Statue des hl. Theodul aus dem 15. Jahrhundert aufbewahrt. |
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